Mandelbitter

durch den Park sind wir gelaufen, haben über Igel gelästert und wie denen nur einfallen kann mit Stacheln rumzulaufen. Dann hast du dich eingerollt und bist in deinem eigenen Haufen verschwunden.

Ich habe einen Badeschrank voller Kaugummi, öffne ihn morgens, vor sieben wenn die Fliesen noch kalt und ungemütlich sind und durch das Fenster über der Toilette ein scharfer kalter Atemzug schießt, der mir eine zweite Haut über den Rücken jagt. Dann fallen sie alle raus, fallen mir ins Waschbecken und duften nach Minze. Und das Waschbecken verschlingt sie, kaut und rülpst und hat immer den Mund zu wenn ich das Wasser anmache. So fließt das Wasser drüber, über die Lippen des kauenden Beckens, über meine nackten kalten Füße. Der Atemzug von draußen und ich bin angefroren, in einer Eisschicht auf Fliesen.

Und du knabberst draußen friedlich an schimmligen Blättern, aufgepickte Kastanienschalen stecken auf deinem Rücken und niemand von euch beiden weiß, wer wen aufgepikst hat. Wenn ich an die denke rollst du dich ein und wenn sie an dir vorbeilaufen und sich über deine Stacheln lustig machen, musst du lachen und denkst nicht mehr an mich.

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hierdu dortich

Drüben, da regnet’s kleine Fliesenbrocken von der Decke, da sitzen die Tulpen nebeneinander auf dem Fenstersims und verrenken ihre blassgrünen Stile um dem Innenhof zu gefallen, verblühen um die Wette und streiten, welche die kurioseren Farbspiele in den angetrockneten pergamentfüßen entwickelt. Drüben, da kichert der Herd, wenn man ihn anmacht und die Schuhe klackern nicht etwa launisch übers Parkett sondern es klingt als würden sie lachen, drüben da schmeckt sogar Radiomusik wie Pralinee, drüben da setzten sich die frühen frühlingsvögel auf die Fenster und zwitschern mit wenn der Basilikum wächst.

Drüben da bist du, da sitzt du und kämmst dir deine Spagettihaare wie wenn nichts wär, flichtst dir kleine tomatensprenkel in den Zopf und streust munter glitzernd parmesanraspeln darauf. Drüben bist du und du hörst nicht wenn ich rufe.

Hier bin ich, hier hört es nicht auf zu winden, die Vögel fliegen weg wenn sie mich sehen und meine Schuhe klingen als würden sie schreien, wenn ich sie über den Holzboden schleppe. Ich weiß wie es bei dir drüben ist, weil ichs nicht vergessen hab, wie ich auch da saß und dir oreganofarbene Augen gemalt habe.

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es liegen viele Bonbonpapiere auf dem Boden, haben sich zusammengerottet zu einem Bonbonpapierberg, alles klebt. Ich klebe, der Boden klebt und du klebst. An mir. durch die Decke rinnt fadenscheinig Wasser und durch uns rinnt ein Bach.

Wir sehen uns an, fragen uns wo wer anfängt und wo wer aufhört, haben uns überall angesehen, im Spiegel, durch die Kameralinse, morgens, im Chlorwasser, im Gefrierfach auf Autobahnraststätten und im Herbst.

Siebenachtsechs sagst du, legst die Füße auf den Tisch und klebst an. Viersiebenneun sage ich, lege meine Hand auf deinen Schenkel und klebe fest. Neunachtzwölf sagen wir, sehen uns an und lutschen unsere Augäpfel, glitschig und kleben gerne zuckrig und verloren

Vom Aufstehen mit nur einem Socken

Die Nacht war lang und kurz zugleich, vom Einschlafen zum Augenaufschlagen nur ein Sekundenblitz und trotzdem gräuliche Erinnerungen an Passagen dazwischen, in denen wir gekämpft haben, in denen meine Hände immer wieder zu dir gerobbt sind, dich an mich gezogen haben und du dich weggerollt hast von mir und irgendwo im Deckenberg verschwunden bist. In der Dunkelheit des Zimmers hab ich plötzlich vier Hände und verdammt nochmal trotzdem nur zehn Finger, du bist wollig und ich fühle, dass du noch einen Rest Körperwärme von mir abstrahlst, da wo du jetzt liegst, in der Falte zwischen mir und dir. Meine Augen fallen langsam zu, ohne dich zu fassen und jetzt am Morgen, liegst du da neben mir, kalt und leer und mein einer Fuß schmiegt sich traurig in die Decke weil du ihn nicht mehr hälst, weil du abgehauen bist und mich verraten hast.

zwanzigmal zuwenig Zuwendung

Muss ich mich vorstellen, wem denn? meinem Laptop, dem einsamen blinkenden Bildschirm der mir da entgegen leuchtet in der Nacht, wem sonst, bin trotzdem nur ich, ich und die blinkende Maschine die langsam ihren Strom verliert, mein Handy blinkt aber zeigt keine neuen Nachrichten, ohne persönlichen Blog hat man wohl keine Chancen mehr auf der Welt. Die Welt ist klein gerade, hüpft vor mir auf dem Kissen herum und streckt mir die Zunge raus und wie ich danach greifen will ist sie schon ums Eck und leuchtet blinkefröhlich drüben beim Nachbarn im Fenster.

Hab mich mal gefragt wieso ich so sein will wie alle, hat ergeben dass ich es nicht wusste und wieder in der Nacht auf den Kaktus getreten bin den ich mir vors Klo gestellt habe weil irgendwann alle meine Freunde angefangen haben Kakteen zu kaufen, vors Klo hab ich ihn mir gestellt weil ich ihn selbst dort wo ich mindestens dreimal am Tag kauere und auf das Ding starre, zu sehr vom selbst abwässern eingenommen bin als dran zu denken das Ding zu wässern.

Ich hab mich also vorgestellt denk ich, ich will einen für mich selbst, für meine kleine private Insel im Internet, ein bisschen privat und einen Biss von der Illusion gesehen zu werden.